Prolog

[© OpenStreetMap und Mitwirkende, CC-BY-SA]
Nachdem Felix schon bei meiner letzten Segeltour gerne mitgekommen wäre, finden wir in diesem Jahr mit der kurzen Schulwoche bis Christi Himmelfahrt die passenden Rahmenbedingungen. Neben Harro (Skipper) und Oli (Smutje) sind noch Knut, Martin, Hendrik, Kai und Volker dabei. Am Freitag-Abend holt uns Martin ab und nach einem Zwischenstop in Triptis starten wir mit der restlichen Crew in einem Opel Vivaro gegen 22 Uhr in Richtung Kroatien. Abgesehen von drei Pausen und kurzen Stops an Mautstationen spulen wir die 1180km in 12h ab, fast durchgängig über Autobahn vorbei an Hof, Regensburg, Passau, Wels, Graz, Maribor, Zagreb und Zadar. Etwas gerädert von der Nachtfahrt füllen wir in Biograd drei Einkaufswagen im Plodine-Supermarkt. Nun sind es nur noch 40km zur Marina Hramina auf der Insel Murter, Ausgangspunkt für unseren Segel-Törn in der Adria.
Sa, 25.05.: Marina Hramina (Murter) – Potkucina (Kakan) [13.5sm]

Der Check-In für unsere Bavaria Cruiser 46 (2.900 EUR/Woche inkl. Rabatt) findet reibungslos und zügig statt. Während ich Harro bei der Übernahme-Checkliste unterstütze, räumen die anderen das Gepäck aus den Autos und verstauen es in der Yacht. Felix hat sich die backbordseitige Bug-Kabine für uns ausgesucht und befüllt die Schränke. So sind wir bereits kurz nach 14 Uhr startklar: Motor an, Gangway rein, Badeplattform hoch, Mooring und Heck-Festmacherleinen los und auf geht’s ins Segel-Abenteuer! Kaum sind wir aus der Bucht, bringen wir Neptun eine Sekt-Opfergabe und bitten um gutes Wetter sowie unfallfreie Wiederkehr. Nachdem der Leuchtturm Prisnjak passiert ist, werden Großsegel und Genua gesetzt um noch für eine gute Stunde bei Windstärke 3 an der Südwestküste von Murter voranzukommen. Gegen 16 Uhr lässt Harro die Segel wieder einholen um die verbleibenden 6sm zur Bucht Potkucina im mittleren Teil der Insel Kakan mit Dieselkraft zu bewältigen. Im zweiten Versuch klappt viertel 6 das Festmachen an der Boje, Motor aus und Anlegebier auf den Tisch! Oli verschwindet anschließend unter Deck und bereitet das Abendessen vor, vollgestopft mit Nudeln im Magen gehe ich hundemüde nach Sonnenuntergang mit Felix in die Koje.
So, 26.05.: Potkucina (Kakan) – Marina Sutomišćica (Ugljan) [35.3sm]

Gut erholt erwache ich gegen halb 9, von zwei weiteren Kabinen sind auch schon die Türen geöffnet. Der Tag beginnt mit einer herzhaften Schinken-Spiegelei-Pfanne, Brot und Kaffee, sehr lecker. Nach dem Abwasch lösen wir viertel 11 die Leine von der Boje, setzen nordwestlichen Kurs zurück nach Murter und folgen dann der langgestreckten Insel Pašman vorbei an Biograd und Zadar. Bei Windstärke 4 vor dem Wind lässt es sich mit Groß und Genua wieder schön segeln, streckenweise mit Schmetterling und gelegentlichen Halse-Manövern. Viertel 5 werden nach knapp 30sm die Segel bei nachlassendem Wind eingeholt, der Motor bringt uns die letzten Meilen zum heutigen Zielort Sutomišćica. Durch ein gelungenes Anlegemanöver machen wir halb 6 in der neuen Marina Olive Island fest, der saubere und hochwertige Sanitärtrakt mit Fußbodenheizung lädt nach dem Anlegebier direkt zum Duschen ein. In der Zwischenzeit hat unser Smutje die Zutaten für einen leckeren Burger vorbereitet, zwei Patties später bin ich pappsatt und bereit für das Abendprogramm mit Schweinchen-Würfeln und Rum-Cola.
Mo, 27.05.: Marina Sutomišćica (Ugljan) – Marina Veli Iž (Iž) [28.6sm]

Gegen 9 Uhr kommt Leben ins Schiff, allerdings gibt es inmitten tiefhängender Regenwolken auch keinen Grund zur Eile. Bei der Frühstücks-Vorbereitung helfen Knut und ich an den Schneidbrettern für Käse, Wurst und Obst während Oli wieder seine legendäre Pfanne zaubert. Gut gestärkt kann es nun in den Tag gehen, neben dem Abwasch sind auch noch ein paar Lebensmittel im Hafen-Markt zu besorgen. Gegen Mittag hört der Regen auf und wir machen viertel 12 die Leinen los. Sobald die schützende Hafen-Bucht verlassen ist, pfeift uns der Wind mit 4-5 Beaufort um die Ohren und wir setzen sofort nur gereffte Segel. Mit 7-8kn Fahrt und schöner Krängung geht es an Ugljan entlang nach Nordwesten bis zur nördlichen Landspitze der Insel Sestrunj. Nach deren Umfahrung kreuzen wir nun mit einem maximal möglichen Kurs am Wind und einigen Wende-Manövern bis zur südlichen Spitze von Sestrunj. Pünktlich um 16 Uhr holen wir die Segel ein und tuckern noch gut 1,5h unter Motor auf südöstlichem Kurs mit Felix als Steuermann, bevor wir dreiviertel 6 am letzten freien Liegeplatz in der Marina von Veli Iž anlegen können. Puh! Solange Oli sein Schwarzwurzel-Curry kocht ist noch etwas Zeit für eine kleine Cache-Erkundungsrunde durch den Ort, am Abend schauen wir über das Bord-WLAN und den Eurosport-Player am Laptop das Relegations-Rückspiel zwischen Union Berlin und Stuttgart.
Di, 28.05.: Marina Veli Iž (Iž) – Mir (Telašćica) [17.8sm]

Auch der heutige Tag beginnt wieder sehr gemütlich, erst Punkt 12 Uhr verlassen wir als eines der letzten Boote die Marina. Draußen erwarten uns nur 2-3 Windstärken und ruhige See, wir setzen die Segel und unseren gestrigen südöstlichen Kurs fort. Am Ende der Insel Iž hat der Wind keine Kraft mehr, dafür lädt jetzt der strahlend blaue Himmel zum Sonnenbaden an Deck ein. Mit leichter Motorunterstützung tuckern wir gen Süden, aber zwischen Dugi Otok und Lavdara frischt es nochmal auf und ich kann eine gute Stunde bei bis zu 6kn Fahrt ein paar Keuz-Manöver üben. Kai und Volker zaubern sogar einen frischen Kaffee mit Waffeln als kleinen Snack, was für ein Luxus. Kurz vor der Mala Proversa werden aufgrund der engen Durchfahrt die Segel eingeholt, außerdem ist es bereits 16 Uhr. Anschließend biegen wir nach Nordosten in den Naturpark Telašćica ein und machen viertel 6 an einer Boje in der traumhaften Bucht Mir fest. Während entspannt das Anlegebier die Kehle hinunter rinnt, schippert Felix mit dem Dingi umher, geht baden und schnorcheln. Gegen 19 Uhr setzen wir über für eine kleinen Erkundungstour zu den Steilklippen und dem Salzsee, zum Abendessen findet sich in einem der beiden Restaurants eine leckere Grillplatte.
Mi, 29.05.: Mir (Telašćica) – Marina Piškera [14.3sm]

Nach einem langen Abend mit Rum-Cola und Wizard stehe ich erst halb 10 auf, einige Kojen werden aber auch noch beschnarcht. Die Übernachtung in einer Bojen-Bucht bietet den unschlagbaren Vorteil mit einem beherzten Sprung von der Badeplattform den Tag erfrischt zu beginnen, herrlich! Gegen halb 12 finden sich alle zum Frühstück ein und eine knappe Stunde später legen wir von der Boje ab. Zunächst geht es mit Motor aus dem Telašćica-Gebiet raus und mit südöstlichem Kurs nahtlos über in den Kornaten-Nationalpark. Hier setzen wir nun bei Windstärke 3 auch alle Segel und gleiten ganz entspannt unter schönstem Sonnenschein an der Südküste von Kornat vorbei. Gelegentlich gibt es ein paar Steinwälle, ein kleines Dorf, Schafe oder eine Festungs-Ruine auf den sonst kahlen Hängen zu sehen. Nachdem die Insel Rašip Veli passiert ist, drehen wir nach Süden auf’s offene Meer hinaus und fahren an der Südküste von Piškera entlang. Die Marina ist viertel 5 erreicht, Harro gelingt trotz einer engen und flachen Fahrrinne gegen den Wind ein gelungenes Anlegemanöver, worauf wir uns nach Belegen der Klampen mit Mooring und Achterleinen ein süffiges kühles Karlovačko gönnen. Den restlichen Nachmittag erkunden wir noch etwas die nähere Umgebung und genießen den traumhaften Ausblick, bevor Oli uns wieder ein leckeres Abendessen auftischt und die Rum-Cola bis Mitternacht fließt.
Do, 30.05.: Marina Piškera – Stupica (Žirje) [20.1sm]

Heute lassen wir mal das Frühstück ausfallen und verlassen gleich nach dem Aufstehen gegen 9 Uhr die Marina, Felix träumt noch in seiner Koje. Eine halbe Stunde später werden Großsegel und Genua gesetzt und mit gutem Am-Wind-Kurs geht es teilweise unter deutlicher Krängung an der Südost-Küste von Kornat entlang. Als wir aus deren Windschatten kommen bläst die kräftige Bora aus Nordost nun mit 5 Beaufort sodass wir lieber etwas reffen und trotzdem weiterhin 7-8kn Fahrt machen. Nach ungefähr 3sm wird der Wind auf Höhe der Insel Kurba Vela etwas schwächer und wir lassen die Segel wieder voll raus. Mittlerweile haben wir die Insel Žirje auf der Backbord-Seite und erreichen gegen 12:30 Uhr das Bojenfeld in der Bucht Vela Stupica. Das Anlegemanöver gelingt sofort und Oli kämpft anschließend mit dem bockigen Gasherd bei der Kartoffelpuffer-Zubereitung. Während sich Felix Seeigel und Seegurken beim Schnorcheln anschaut, genießen wir an Deck ein weiteres Anlegebier in der Sonne, es ist ja Männertag! Halb 6 setzen wir mit dem Dingi zur Taverne über und erkunden auf einer kleinen Wanderung die Ruine einer ehemaligen byzantinischen Festungsanlage, welche sogar einen modernen Schatz bereithält. Zum späten Abendessen nach Sonnenuntergang gibt’s eine leckere Spezial-Soljanka als Grundlage für das Abendprogramm mit Rum-Cola und Wizard.
Fr, 31.05.: Stupica (Žirje) – Marina Hramina (Murter) [26.9sm]

Nochmal ein Stück zeitiger als gestern verlassen wir heute die Boje halb 9, Ziel ist eine ruhigere Bucht zum Frühstücken. Bis zur östlichen Spitze von Žirje nutzen wir für gute 2sm den günstigen Wind zum Segeln, gehen dann aber auf einen nördlichen Kurs und haben jetzt die Bora mit bis zu 7 Beaufort genau gegen uns. Also holen wir Groß und Genua wieder ein und tuckern mit Motor durch die Passage zwischen den Inseln Kakan und Kaprije. Kurz darauf bietet die Bucht Remitic etwas Schutz vor dem Wind, wir machen halb 11 an einer der Bojen fest und Oli verschwindet in der Küche zur Frühstücks-Vorbereitung. Zwei Stunden später und gut gesättigt geht es weiter gen Murter wie bereits vor fünf Tagen, bei immmer noch Windstärke 4 kommen wir trotz gereffter Segel am Wind gut voran. Gegen 15 Uhr haben wir den Leuchtturm Prisnjak erreicht, holen die Segel ein und schlängeln uns durch die Inseln nördlich von Murter. Als vorletzter Akt ist an der Tankstelle noch Diesel aufzufüllen, dann endet unser Segeltörn Punkt 16 Uhr mit einem fehlerfreien Anlegemanöver in der Start-Marina Hramina. Noch während wir das Karlovačko genießen, beginnt der Check-out mit einem Kontrollgang vom Vercharterer. Frisch geduscht erkunden wir am frühen Abend die Stadt auf der Suche nach einem gemütlichen Restaurant und kehren schließlich im Boskin skver für eine leckere Fischplatte mit Octopus-Salat ein. Am nächsten Morgen ist bis 9 Uhr die Yacht zu räumen, in Tisno findet sich noch ein Rührei zum Frühstück bevor wir in Biograd das Leergut gegen Obst und Kekse eintauschen. Dann heißt es ab auf die Autobahn und 1180km schrubben, gegen 23 Uhr kommen wir leicht geschlaucht in Jena an.